Grußwort des OB Dr. Jürgen Linden:
Der bedeutende britische Politiker Bulwer Lytton sagte im Jahr 1855 vor dem Britischen Unterhaus einmal:
»Wenn ich der späteren Nachwelt ein Denkmal der heutigen englischen Zivilisation hinterlassen wollte, ich würde hierzu nicht die Docks, die Eisenbahn, unsere öffentlichen Gebäude noch den Palast wählen, in dem wir unsere Sitzungen abhalten. Ich würde einem Band der Times den Vorrang geben.«
Die hierin zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung der kulturgeschichtlichen Bedeutung gedruckter Presseerzeugnisse teilte auch Oskar von Forckenbeck, der mit seiner über Jahrzehnte zusammengetragenen Sammlung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Grundstock für das Aachener Zeitungsmuseum legte. Mit der Präsentation von Erst-, Jubiläums- und Schlussausgaben, ergänzt um sogenannte Curiosa wie den Format-Giganten und -Winzlingen unter den Zeitungen der Welt sowie mitunter skurrilen Titeln, wollte er das Zeitungswesen in all seinen Facetten exemplarisch darstellen.
Heute ist das Internationale Zeitungsmuseum Aachen mit mehr als 180.000 Zeitungen der weltweit größte Bestand dieser Art überhaupt. Kaum ein Land der Erde, in dem Zeitungen gedruckt werden, ist hier nicht vertreten, nahezu alle Sprachen, in denen sie erscheinen oder erschienen, sind hier zu finden.
Das Internationale Zeitungsmuseum Aachen gibt so einen Einblick in ein besonderes Kulturgut der Neuzeit, in seine politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung. Ohne die Existenz von Zeitungen hätte es nie Meinungsbildung, intensiven gesellschaftlichen Diskurs, politisches Urteilsvermögen und damit auch bürgerschaftliche Mündigkeit gegeben. Das Internationale Zeitungsmuseum bewahrt als besonderes Schatzkästlein viele der von längst vergessenen Journalisten für den nächsten Tag hingeworfenen und von namenlos gebliebenen Druckern gesetzten Zeilen vor dem Verfall und damit auch vor dem unwiederbringlichen Verlust und Vergessen. Zugleich dokumentiert es die wechselvolle Geschichte der Pressefreiheit, eines elementaren Grundrechts, das konstitutiv ist für jede Demokratie.
Dieses Museum ist Teil des Gedächtnisses unserer Zivilisation. Es zeigt sich aber auch als Ausstellungsstätte und Lernort, in dem archiviert und gesammelt, katalogisiert und kategorisiert, allerdings immer wieder auch geforscht wird.
Man muss aber kein Historiker oder Experte auf dem Gebiet der Geschichte der Print-Medien sein, um die Faszination zu erleben, die von den Exponaten des Internationalen Zeitungsmuseums ausgeht. Diese einzigartige Institution unserer Stadt lädt alle Interessierten zu einem Besuch ein, um mehr zu erfahren über Herkunft, Entwicklung und Bedeutung der Zeitung, die bis heute hin eine oftmals unterschätzte und unerkannte Kulturmacht ist. Jeder kann dabei prüfen, ob nicht manche Schlagzeile auf vergilbten Blättern der Vergangenheit mitunter bis in die Gegenwart hinein nachwirkt.
Dr. Jürgen Linden

